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Essen in Portugal: Was Auswanderer über Esskultur, Preise und Alltag wissen sollten

  • Writer: Marten Holzinger
    Marten Holzinger
  • Apr 26
  • 6 min read
Pastel de Natas Portugal

Wenn du nach Portugal auswanderst oder länger dort lebst, wirst du schnell merken: Essen ist hier nicht einfach nur ein praktischer Teil des Tages, sondern ein zentraler Bestandteil des Lebensgefühls. 


Während sich viele deutsche Auswanderer zunächst auf Themen wie Job oder Wohnung konzentrieren, zeigt sich im Alltag oft, dass gerade die Esskultur einen großen Einfluss darauf hat, wie schnell du wirklich im Land ankommst. Portugal hat dabei seinen ganz eigenen Rhythmus, eigene Regeln im Restaurant und viele kleine Besonderheiten, die du erst nach und nach verstehst.


Unser Blog Artikel hilft dir dabei, Stolpersteine zu vermeiden und dich schneller einzufinden.


Essenszeiten in Portugal: Der Alltag läuft anders


Ein erster Unterschied fällt dir meist schon bei den Essenszeiten auf. Während in Deutschland das Abendessen oft der Mittelpunkt des Tages ist, liegt der Fokus in Portugal viel stärker auf dem Mittagessen. 


Dieses findet typischerweise zwischen 12 und 14:30 Uhr statt und ist meist warm, ein vollwertiges Menü und bewusst in den Alltag eingeplant. Termine um die Mittagszeit bei Jobs in Portugal? Eher schwierig. Es wird sich Zeit genommen, gemeinsam zu essen.

Das Abendessen beginnt dagegen deutlich später, oft erst ab 19:30 Uhr oder sogar noch später.


Wer also gewohnt ist, früh zu Abend zu essen, wird sich zunächst umstellen müssen. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass viele Restaurants am Nachmittag geschlossen sind und erst am Abend wieder öffnen, was den Alltag gerade zu Beginn etwas ungewohnt machen kann.


Welche Rolle Essen in der portugiesischen Kultur spielt


Um Portugal wirklich zu verstehen, musst du die Bedeutung von Essen im Alltag kennen. Mahlzeiten sind hier nicht nur funktional, sondern ein wichtiger sozialer Bestandteil. 


Kollegen gehen gemeinsam essen, Familien treffen sich regelmäßig zum Mittag- oder Abendessen, und auch Treffen mit Freunden finden oft rund um den Tisch statt. Dabei geht es nicht nur um das Essen selbst, sondern um das Zusammensein. Gespräche, Zeit und Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt. Wenn du als Auswanderer Anschluss bei den Einheimischen finden möchtest, ist das gemeinsame Essen eine wichtige Komponente.


Gemeinsam Essen Esskultur

Im Vergleich zu vielen nordeuropäischen Ländern ist der Umgang mit Essen deutlich entschleunigter. Niemand erwartet, dass du schnell isst und wieder gehst. Im Gegenteil: Es gehört dazu, sich Zeit zu nehmen. Gerade für Expats ist das eine der größten Umstellungen, aber gleichzeitig auch etwas, das viele nicht mehr missen möchten.


Frühstück in Portugal: Klein, schnell und unkompliziert


Das Frühstück fällt in Portugal meist klein und unkompliziert aus. Ein Kaffee, häufig ein Espresso, dazu ein Toast oder ein süßes Gebäck reichen den meisten völlig aus. 


Viele Portugiesen frühstücken gerne im Café statt zu Hause, was das Frühstück zu einem kurzen, aber festen Bestandteil des Alltags macht. Große Frühstücksmenüs wie etwa in Großbritannien sind eine Seltenheit.


Mittagessen: Die wichtigste Mahlzeit des Tages


Das Mittagessen hat in Portugal einen ganz anderen Stellenwert als in vielen anderen Ländern. Es ist nicht nur eine kurze Pause von der Arbeit, sondern häufig ein fester Bestandteil des Tagesablaufs, auch im Berufsleben. 

Typisch ist eine Kombination aus Suppe, Hauptgericht und anschließendem Kaffee.


Besonders verbreitet sind sogenannte Tagesmenüs, die in vielen Restaurants angeboten werden und preislich sehr attraktiv sind. Für vergleichsweise wenig Geld bekommst du eine vollständige Mahlzeit, die frisch zubereitet ist und oft lokale Spezialitäten enthält.


Abendessen: Entspannt, später und sozialer


Am Abend geht es deutlich ruhiger zu. Das Abendessen wird häufig genutzt, um Zeit mit Freunden oder Familie zu verbringen. Dabei spielt das Tempo eine wichtige Rolle. In Portugal wird nicht gehetzt. 


Du kannst problemlos länger sitzen bleiben, Gespräche führen und den Abend genießen. Auch die Rechnung kommt in der Regel nicht automatisch, sondern erst, wenn du danach fragst. Da Lokale lange geöffnet haben, können die Abende sich ausdehnen und lange Gespräche entstehen.


Unterschiede in der portugiesischen Restaurantkultur


Neben der Rechnung, die du in Portugal explizit verlangen musst, gibt es auch weitere Unterschiede beim gemeinsamen Ausgehen.


Ein Punkt, der viele Expats überrascht, ist das sogenannte Couvert. Dabei handelt es sich um kleine Vorspeisen wie Brot, Oliven oder Käse, die oft ungefragt auf den Tisch gestellt werden. Diese sind jedoch nicht kostenlos, sondern wer

Trinkgeld ist üblich, aber kein Muss.


Insgesamt ist der Restaurantbesuch weniger funktional und stärker auf das gemeinsame Erlebnis ausgerichtet, was sich in allen Details widerspiegelt.


Preise für Essen in Portugal: Was dich wirklich erwartet


Ein großer Vorteil für Expats sind die vergleichsweise moderaten Preise beim Ausgehen, wobei diese stark von Region und Restauranttyp abhängen. 

Ein einfacher Kaffee kostet meist zwischen 1 und 2 Euro, während du für ein kleines Frühstück im Café etwa 2 bis 5 Euro einplanen solltest. 


Besonders interessant ist das Mittagessen. Da viele Restaurants ein Tagesmenü anbieten, das häufig zwischen 8 und 15 Euro kostet und oft Suppe, Hauptgericht, Getränk und Kaffee umfasst.


Am Abend steigen die Preise etwas an. In einem einfachen lokalen Restaurant zahlst du in der Regel zwischen 12 und 20 Euro pro Person für ein vollständiges Essen. In gehobeneren Restaurants oder in touristischen Gegenden wie Lissabon oder der Algarve kannst du schnell bei 20 bis 40 Euro oder mehr pro Person landen. Besonders in stark touristisch geprägten Regionen sind die Preise deutlich höher als im Landesdurchschnitt.


Auch Supermärkte sind insgesamt leicht günstiger oder vergleichbar mit Deutschland, wobei frische Lebensmittel und lokale Produkte oft besonders preiswert sind. Wenn du regelmäßig lokal essen gehst und touristische Restaurants vermeidest, kannst du deine monatlichen Ausgaben für Essen deutlich reduzieren.


Typisches Essen in Portugal: Diese Spezialitäten solltest du kennen


Die portugiesische Küche ist für viele Expats eine positive Überraschung, weil sie deutlich vielseitiger ist, als man zunächst erwartet. Während viele Portugal vor allem mit Fisch und Meeresfrüchten verbinden, umfasst die Küche auch herzhafte Fleischgerichte, Suppen, Eintöpfe und eine große Auswahl an Snacks und Süßspeisen. 


Was die portugiesische Küche besonders macht, ist ihre Einfachheit. Es geht weniger um aufwendige Präsentation, sondern um Geschmack, Qualität der Zutaten und Tradition. Gerade als Auswanderer wirst du schnell merken, dass viele Gerichte zunächst simpel wirken, aber durch ihre Zubereitung und Kombination einfach überzeugend sind.


Grillen Portugal

Bacalhau: Der Klassiker der portugiesischen Küche


Bacalhau, also gesalzener und getrockneter Kabeljau, ist das wohl bekannteste Gericht Portugals und ein fester Bestandteil der Esskultur. Oft wird gesagt, dass es über 365 verschiedene Zubereitungsarten gibt, also theoretisch eine für jeden Tag im Jahr. Ob als Auflauf mit Kartoffeln und Sahne, gebraten mit Zwiebeln oder als einfacher Bestandteil eines Mittagsmenüs: Bacalhau begegnet dir überall.


Für Auswanderer ist dieses Gericht ein besonderes Erlebnis, weil es geschmacklich sehr unterschiedlich ausfallen kann, je nach Zubereitung. Gleichzeitig zeigt es gut, wie stark Tradition und Alltag in der portugiesischen Küche miteinander verbunden sind. Auch wenn der Fisch nicht aus Portugal stammt, gehört er heute fest zur nationalen Identität.


Sardinhas assadas: Sommer, Festivals und portugiesisches Lebensgefühl


Gegrillte Sardinen sind vor allem im Sommer allgegenwärtig und gehören zu den authentischsten kulinarischen Erlebnissen, die du in Portugal haben kannst. Besonders während lokaler Feste und in Küstenstädten werden sie frisch gegrillt und oft sehr schlicht serviert, meist nur mit Brot oder Salat.


Gerade für Expats ist dieses Gericht ein perfekter Einstieg in die portugiesische Esskultur, weil es so unkompliziert ist. Es zeigt, dass gutes Essen nicht kompliziert sein muss. Gleichzeitig sind Sardinen stark mit der portugiesischen Kultur verbunden und stehen für Geselligkeit, Sommerabende und gemeinsames Essen im Freien.


Caldo Verde: Die Suppe, die immer dazu gehört


Caldo Verde ist eine der bekanntesten Suppen Portugals. Sie besteht hauptsächlich aus Kartoffeln, fein geschnittenem Grünkohl und oft einer Scheibe Chouriço. Ein echtes Grundnahrungsmittel in Portugal. Diese Suppe wird häufig als Vorspeise serviert, ist aber auch alleine eine vollständige Mahlzeit. 


Caldo Verde Suppe Portugal

Frango Piri-Piri: Einfach, würzig und überall zu finden


Frango Piri-Piri, also gegrilltes Hähnchen mit einer würzigen, oft scharfen Marinade, gehört zu den beliebtesten Gerichten im Alltag. Du findest es in kleinen Restaurants, Imbissen und sogar als Take-away. Es ist unkompliziert, relativ günstig und gleichzeitig sehr geschmackvoll.


Für Expats ist dieses Gericht besonders praktisch, weil es eine schnelle und zuverlässige Option darstellt, wenn du nicht kochen möchtest. Gleichzeitig zeigt es gut, wie stark die portugiesische Küche von einfachen, aber gut gewürzten Gerichten geprägt ist.


Pastel de Nata: Die süße Spezialität


Das Pastel de Nata ist wahrscheinlich die bekannteste Süßspeise Portugals. Die kleinen Blätterteigtörtchen mit Vanillecremefüllung findest du in nahezu jeder Bäckerei oder Pastelaria. Sie werden oft zusammen mit einem Kaffee gegessen und sind ein fester Bestandteil der portugiesischen Kaffeekultur.


Pastel de Nata Portugal

Regionale Unterschiede: Jede Region isst anders


Je nach dem, in welcher Region Portugals du dich niederlässt, unterscheidet sich auch die Küche. Im Norden des Landes ist die Küche häufig kräftiger und fleischlastiger, mit deftigen Eintöpfen und traditionellen Gerichten. In Küstenregionen dominieren hingegen Fisch und Meeresfrüchte, die oft frisch und einfach zubereitet werden.


Im Süden, insbesondere an der Algarve, spielen neben Fisch auch touristische Einflüsse eine größere Rolle, wodurch das Angebot internationaler wird. 

In ländlicheren Regionen wie dem Alentejo findest du in der Regel traditionelle Gerichte, die lokale Zutaten verarbeiten. Welche Spezialitäten dich erwarten, hängt also stark davon ab, wo im Land du dich befindest.


Fazit: Esskultur in Portugal ist gerade als Auswanderer wichtig


Beim Auswandern nach Portugal ist vor allem wichtig zu verstehen, dass die Ess- und Ausgehkultur in Portugal ein wichtiger Faktor für das Miteinander ist. Wenn du vor Ort bei Einheimischen Anschluss finden und Freundschaften schließen möchtest, hilft es sehr, wenn du dir die Zeit zum Ausgehen nimmst.

Menschen aus Deutschland unterschätzen die Bedeutung der gemeinsamen Esskultur schnell. Doch sie ist ein wichtiger Faktor dafür, ob du dich in Portugal nur fühlst wie ein Gast, oder wirklich angekommen.

 
 
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